Dem Erleben auf der Spur

Feminismus und die Philosophie des Leibes

Wenn das Erleben immer leiblich ist, welche Rolle spielt dabei das Geschlecht? Wie gehen Machtverhältnisse, Normen und Diskurse in die Beschreibungen des eigenen Erlebens ein? Wie kann dennoch der Eigensinn des Erlebens zur Geltung kommen? Mit Fragen wie diesen bindet die Phänomenologie die Philosophie an die Lebenswirklichkeit zurück. Sie geht dabei vom Leib aus, der die Voraussetzung aller Erfahrung ist. Wissenschaftliche Disziplinen wie die Geschlechterforschung nutzen phänomenologische Kategorien und entwickeln sie außerdem praktisch und theoretisch weiter. Der Band stellt Ergebnisse dieser Forschungen aus feministischer Sicht vor. Dabei steht die Suche nach einer Sprache für die leibliche Erfahrung im Mittelpunkt.

€29.99 *

2016-10-25, 330 pages
ISBN: 978-3-8376-3639-0

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1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Weil das Thema in der feministischen Diskussion unterbelichtet ist. Die feministische Theoriedebatte dreht sich oft um abstrakte und lebensferne Fragen. In diesem Buch wird ein Brückenschlag zwischen Theorie und angewandter Phänomenologie versucht – mit sehr konkreten Beschreibungen leiblichen Erlebens von Männern und Frauen, etwa von rassistisch Unterdrückten, von Schwangeren, Hebammen und Mädchen. Für all dies muss eine möglichst ideologiefreie Sprache erst noch entwickelt werden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch zeigt, wie wichtig die leibliche Erfahrung und ihre genaue Beschreibung für jede Form von Politik, aber auch für die Philosophie sind. Wenn die Aufmerksamkeit nicht mehr auf den objektivierten Körper, sondern auf den spürenden Leib gerichtet ist, kann deutlich werden, dass es gerade die gängigen Geschlechterklischees sind, die den Zugang dazu verbauen. Für alle Geschlechter kann Neues sichtbar werden, wenn das leibliche Befinden ernstgenommen wird – privat, politisch und theoretisch.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In der Forschung gewinnt die Phänomenologie immer mehr an Boden, und auch in der feministischen Theorie wird sie immer wichtiger. Dort ging es lange nur um den Körper, seine Formierung und Disziplinierung, während die Dimension des Leibes, die subjektive Erfahrung, kaum in den Blick kam. In den Beiträgen des Bandes wird deutlich, wie sehr das leibliche Erleben von Diskursmacht durchzogen ist. Seine Analysen sind nicht nur für die Politik, Medizin und Psychiatrie von Belang, sondern auch für die Philosophie.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit allen feministisch Interessierten, aber auch gerade mit denen, die den Feminismus für eine Frauensache halten. Mit den Philosoph_innen und Wissenschaftler_innen, die glauben, entweder jenseits der Geschlechterverhältnisse zu stehen oder schon verstanden zu haben, worauf es bei der Geschlechtergerechtigkeit ankommt. Mit allen Rationalist_innen. Mit Gerechtigkeitsfanatiker_innen. Mit denen, die glauben, Subjektivität sei ein peinliches Anhängsel der Objektivität, anstatt deren existenzieller Ausgangspunkt.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch verbindet eine feministische macht- und diskurstheoretische Perspektive mit der Beschreibung von subjektivem Erleben und Verletzlichkeit.

Book title
Dem Erleben auf der Spur Feminismus und die Philosophie des Leibes
Publisher
transcript Verlag
Pages
330
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-3639-0
DOI
Commodity Group
1521
BIC-Code
HP JFSJ JHB
BISAC-Code
PHI015000 SOC032000 SOC022000
THEMA-Code
QDT JBSF JHB
Release date
2016-10-25
Edition
1
Topics
Geschlecht, Körper
Readership
Philosophy, Gender Studies, Cultural Studies, Sociology, Political Science, Medicine, Psychology
Keywords/Tags
Phenomenology, Feminism, Gender, Living Body, Experience, Philosophy, Living Reality, Body, Philosophy of Body, Gender Studies

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