Moderne Jugend vor Gericht

Sensationsprozesse, »Sexualtragödien« und die Krise der Jugend in der Weimarer Republik

Die »Steglitzer Schülertragödie« von 1927/28 fasziniert bis heute. Der berühmteste Mordprozess der Weimarer Republik, bei dem Jugendliche vor Gericht standen, erfuhr damals die ungeteilte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

In ihrer mikrogeschichtlich angelegten Studie nutzt Heidi Sack dieses spannende Geschehen als Brennglas für größere Debatten der Zeit – und zeigt, dass am Beispiel der angeklagten Jugendlichen letztlich erbittert und kontrovers über die Moderne verhandelt wurde. Ihre Studie bereichert die Neue Kulturgeschichte und bietet unkonventionelle Einblicke in eine Epoche der deutschen Geschichte, die gemeinhin als gründlich erforscht gilt.

€39.99 *

2016-11-03, 490 pages
ISBN: 978-3-8376-3690-1

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Heidi Sack

Heidi Sack, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Deutschland

... mit Heidi Sack

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Zunächst einmal handelt es sich bei Mordprozessen mit jugendlichen Angeklagten in der Weimarer Zeit um ein per se ziemlich spannendes Thema. Allerdings standen vor Gericht die Kriminalfälle nicht im Zentrum. Sie wurden damals vielmehr zum Anlass für allgemeine Diskussionen zum Thema Jugend, deren vermeintliche Krise oder aber ihr Sexualleben genommen. Dabei ging es de facto fast immer um die Moderne. So offenbaren konkrete Kriminalfälle am Ende viel mehr über die Zeit als zu erwarten wäre.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Sowohl thematische wie methodische. Die Mikrogeschichte wird hier einmal nicht auf die Frühe Neuzeit, sondern auf die 1920er Jahre angewandt und zudem kombiniert mit Ansätzen der historischen Diskursanalyse. So kann quasi in den Gerichtssaal getreten und dabei zentrale Themen der Zeit – etwa die vielschichtigen und kontroversen Kämpfe um Jugend und Moderne in der Weimarer Republik – eingefangen und überhaupt greifbar gemacht werden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Seit ca. zehn Jahren hat sich geschichtswissenschaftliche Forschung vermehrt mit dem Phänomen Kriminalität und ihrer öffentlichen Wahrnehmung beschäftigt. Hier reiht sich mein Buch ein, geht aber einen Schritt weiter und strebt an, einen Beitrag zu einer (bislang noch sehr jungen) ›Kulturgeschichte des Gerichtssaals‹ zu liefern. Die Frage, wie modern Weimar war, wird wohl immer aktuell bleiben und in meinem Buch einmal aus anderer Perspektive beleuchtet.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Am liebsten wäre mir ein – leider inzwischen rein fiktiver – Kreis aus Paul Schlesinger alias Sling, Carl von Ossietzky und Gabriele Tergit. Besonders reizvoll wäre daran, meine ›Zeitdiagnose‹ von heute mit deren eigener Wahrnehmung der Zeit diskutieren und abgleichen zu können.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Prozesse gegen Jugendliche glichen in der Weimarer Republik eher einem Drama, in dem sich die Gesellschaft mit ihren Problemen selbst betrachtete.

Author(s)
Heidi Sack
Book title
Moderne Jugend vor Gericht Sensationsprozesse, »Sexualtragödien« und die Krise der Jugend in der Weimarer Republik
Publisher
transcript Verlag
Pages
490
Features
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-3690-1
DOI
Commodity Group
1558
BIC-Code
HBJD HBTB HBLW
BISAC-Code
HIS014000 HIS054000 HIS037070
THEMA-Code
NHD NHTB
Release date
2016-11-03
Edition
1
Topics
Recht, Kulturgeschichte
Readership
History, Cultural Studies, Cultural History, Discourse History, Legal History, as well as an interested general readership
Keywords/Tags
History, New Cultural History, Microhistory, Weimar Republic, Youth, New Woman, Press, Justtice, Court Trials, Modernity, Steglitz Pupil Trial, Cultural History, Law, German History, History of the 20th Century

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