Vergangenheitsverhältnisse

Ein Korrektiv zum Paradigma des »kollektiven Gedächtnisses« mittels Walter Benjamins Erfahrungstheorie

Ist Identität eine Funktion des Gedächtnisses?

Mithilfe von Walter Benjamins Erfahrungstheorie kritisiert Felix Denschlag die Theorie des »kollektiven Gedächtnisses« von Maurice Halbwachs sowie Jan und Aleida Assmann und ergänzt sie im Sinne einer Theorie der Vergangenheitsverhältnisse. Der Identitätsbegriff wird – gegenüber der Konstruktion einer bruchlosen Kontinuität – als »kontinuierliche Diskontinuität« begriffen und dem willentlich verfügbaren Gedächtnis wird ein weit darüber hinaus gehender Bereich einer »schöpferischen Unordnung« entgegensetzt. Auf diese Weise lässt sich das individuelle Erfahrungsmoment gegenüber der intersubjektiv verfügbaren und beherrschbaren sozialen Identität betonen.

€34.99 *

2017-06-01, 292 pages
ISBN: 978-3-8376-3905-6

Ready to ship today
Delivery time 3-5 workdays within Germany

Prices incl. VAT. Free delivery within Germany, for other destinations see details.

Bulk discount

Recommend it

Felix Denschlag

Felix Denschlag, Hamburg, Deutschland

... mit Felix Denschlag

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Das Thema ›Erinnerung‹ und ihre Bedeutung für eine gesellschaftliche und geschichtliche Identität ist seit den 1980er Jahren in den Selbstverständigungsweisen der BRD zentral geworden. Die Theorie des ›kollektiven Gedächtnisses‹ scheint die bundesdeutsche Erinnerungspolitik lediglich widerzuspiegeln und ihr in dieser Weise als Legitimationsinstanz zu dienen. An dieser Stelle nachzufragen und zu klären, welcher Begriff der Erinnerung hier überhaupt im Spiel ist, war die Motivation zu diesem Buch.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Der angesprochene Zusammenhang wird in den weiteren Kontext von ›Gedächtnis, Erinnerung und Vergessen‹ eingebettet. Nur so lässt sich begreifen, was ›Identität‹ im Prozess der Erfahrungswirklichkeit bedeutet. Für eine Erfahrungstheorie des Erinnerns ist es von zentraler Bedeutung, die Fähigkeit des Erinnerns von der Speicherleistung des Gedächtnisses zu unterscheiden und Vergessen nicht bloß als Gegensatz zum Erinnern zu begreifen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Es ist in meinen Augen notwendig, für die Theorie des ›kollektiven Gedächtnisses‹ eine grundbegriffliche Klärung zu leisten und eine kritische Perspektive einzuführen. Die Arbeiten von Maurice Halbwachs sowie Jan und Aleida Assmann mit ihren Grundbegriffen werden in der Regel kaum hinterfragt, sondern meist unkritisch angewendet. Dies geschieht häufig im Sinne einer Rahmentheorie für speziellere Untersuchungen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Jan und Aleida Assmann. Zwar sind sie im Laufe der Jahre immer wieder auf Kritik eingegangen und haben ihre Theorie selbst leicht modifiziert. Die wesentlichen, in meinen Augen zu kritisierenden Aspekte bleiben davon jedoch unberührt und werden auch in den jüngsten Publikationen – besonders bei Aleida Assmann – eher noch erhärtet.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Benjaminsche Einsichten werden für eine Theorie kollektiver Erfahrung fruchtbar gemacht, die über das Konzept eines habitualisierten Gedächtnisses hinausführt.

Author(s)
Felix Denschlag
Book title
Vergangenheitsverhältnisse Ein Korrektiv zum Paradigma des »kollektiven Gedächtnisses« mittels Walter Benjamins Erfahrungstheorie
Publisher
transcript Verlag
Pages
292
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-3905-6
DOI
Commodity Group
1521
BIC-Code
JFC HP HPC
BISAC-Code
PHI034000 PHI016000 SOC022000
THEMA-Code
JBCC QD QDH
Release date
2017-06-01
Edition
1
Topics
Kultur, Erinnerungskultur
Readership
Philosophy, cultural studies, social studies, sociology, science of history
Keywords/Tags
Collective Memory, Walter Benjamin, Identity, Memory, Oblivion, Maurice Halbwachs, Jan Assmann, Aleida Assmann, Past, Culture, Memory Culture, Philosophy of Culture, German History of Philosophy, Cultural Theory, Critical Theory, Philosophy

We use cookies to enable the use of certain functions on this website.

Privacy statement