»Hate Speech« und Verletzbarkeit im digitalen Zeitalter

Phänomene mediatisierter Missachtung aus Perspektive der Gender Media Studies

Die Debatten um Hate Speech im Internet zeugen von der Brisanz der Frage, welche Verletzungsmacht diffamierenden Adressierungen inhärent ist: Handelt es sich um einen rein zeichenhaften Ausdruck freier Rede oder um einen ›realen‹ Gewaltakt?

Aus einer dualismuskritischen Perspektive entwickelt Jennifer Eickelmann ein Konzept mediatisierter Missachtung, das sich diesem Entweder-oder verweigert. Entlang materialreicher Analysen zeigt sie die Kontingenz dieser Kommunikationen im Spannungsfeld von Realität/Virtualität auf und legt dar, welche Bedeutung der Kategorie Gender und dem Medialen bei der Konstitution und Wirkmacht mediatisierter Missachtung zukommt.

€32.99 *

2017-08-03, 332 pages
ISBN: 978-3-8376-4053-3

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Jennifer Eickelmann

Jennifer Eickelmann, TU Dortmund, Deutschland

... mit Jennifer Eickelmann

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Digitale Technologien sind längst in unseren Alltag eingelassen. Wir kommunizieren mit unterschiedlichsten Plattformen, adressieren Andere und werden adressiert. Zahlreiche aktuelle Beispiele zeigen, dass nicht zuletzt normüberschreitende, vergeschlechtlichte Subjektentwürfe zur Zielscheibe diffamierender, beleidigender Adressierungen werden. Bislang ungeklärt geblieben ist die Frage, inwiefern Adressierungen im Netz und darüber hinaus sowohl als produktives Moment der Subjektivation zu fassen sind, aber gleichzeitig auch destruktive Wirksamkeiten entfalten und Leben zerstören können. Wie also gestaltet sich das Verhältnis von Zeichen und ihrer materialen Effektivität und wie lässt sich Widerstand in diesem Kontext denken?

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Thema ›Hassrede‹ im Internet stellt sich aktuell angesichts der Unkontrollierbarkeit digitaler Technologien als enorme gesellschaftspolitische Herausforderung dar, die neue Denk- und Analyseweisen erfordert. Ein zentraler Aspekt dieses anderen Denkens ist, die grundlegende Bedeutungsoffenheit digitaler Zeichensysteme sichtbar zu machen und nicht zugunsten vermeintlicher Eindeutigkeiten aufzugeben. Die Verletzungsmacht diffamierender Adressierungen ergibt sich so betrachtet nicht aus gewaltvollen Zeichen, die unmittelbar verletzen, sondern aus ihrer Potenzialität, Subjekte herzustellen sowie zu zerstören.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Ich zeige u.a. in meinem Buch, dass sich die aktuelle Forschungslandschaft zum Thema durch zwei grundlegende Schwierigkeiten auszeichnet: Erstens, dass die Ausführungen zu den Phänomenen ›Trollen‹, ›Cybermobbing‹ und ›Shitstorms‹ spezifischen Engführungen unterliegen, welche die Verletzungsmacht diffamierender Adressierungen, z.B. als Gewaltakt oder als Spiel, festschreiben. Zweitens reproduzieren jene Forschungsdebatten bestimmte Geschlechterentwürfe, die es kritisch in den Blick zu nehmen gilt. Die Konzeptualisierung ›mediatisierter Missachtung‹ stellt eine Beobachtungsperspektive dar, die es vermag, alternative Sichtweisen zu ermöglichen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit allen Menschen, die sich für die konstitutive Bedingtheit von Subjektivitäten und die Kontingenz sozialer wie medialer Phänomene interessieren. Und: Mit Heiko Maas.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Eine alternative Sichtweise auf Phänomene mediatisierter Missachtung im Kontext der wechselseitigen Bedingtheit von Gender und Medien.

Book title
»Hate Speech« und Verletzbarkeit im digitalen Zeitalter Phänomene mediatisierter Missachtung aus Perspektive der Gender Media Studies
Publisher
transcript Verlag
Pages
332
Features
kart., farb. Abb.
ISBN
978-3-8376-4053-3
DOI
Commodity Group
1744
BIC-Code
JFD JFSJ
BISAC-Code
SOC052000 SOC032000
THEMA-Code
JBCT JBCT1 JBSF
Release date
2017-08-03
Edition
1
Topics
Geschlecht, Medien, Internet
Readership
Media studies, gender studies, sociology, cultural studies, communication science
Keywords/Tags
Gender, Media, Internet, Materiality, Hate Speech, Communication, Media Theory, Digital Media, Gender Studies, Sociology of Media, Media Studies

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