Richtig zitieren – Plagiate vermeiden

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Richtig zitieren – Plagiate vermeiden.
Eine Handreichung für die Praxis

 

Ein Gespenst geht um in Wissenschaft und Verlagswesen – das Gespenst des Plagiatsverdachts. Unsauberes Arbeiten, Regelwidrigkeiten und Verstöße gegen das Urheberrecht hat es wohl immer gegeben. Doch in den letzten Jahren mehren sich die bekannt gewordenen Fälle in einem durchaus beunruhigenden Maße. Inzwischen zählen sogar vormals renommierte Professor*innen zu den eindeutig Überführten. Und damit sieht sich das gesamte Wissenschaftssystem in seinen Grundfesten erschüttert.

Auch für Verlage kann ein Plagiatsfall recht schwerwiegende Folgen haben. Obgleich selbst betroffen, werden wir unsere Autor*innen auch in Zukunft nicht als potenzielle Betrüger*innen betrachten. Doch allein mit einem Appell an Wissenschaftsethos und Ehrenkodex ist es womöglich nicht getan. Deshalb haben wir in aller Kürze die basalen Imperative der sog. ›guten wissenschaftlichen Praxis‹ zusammengestellt:

 

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Das kleine Einmaleins des richtigen Zitierens

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen nicht aus dem Nichts, sondern immer auf der Grundlage von und in kritischer Auseinandersetzung mit vorhandenem Wissen. Frei verfügbar sind diese Wissensbestände jedoch nur um den Preis der Anerkennung von Urheberschaften. Wer sich also auf Werke anderer bezieht, hat dies entsprechend zu dokumentieren, und zwar in Form von Zitaten und/oder Verweisen. Erst diese Praxis macht einen Text überhaupt zu einer wissenschaftlichen Arbeit im strengen Sinne.

Man unterscheidet zwischen direkten und indirekten Zitaten, also zwischen wörtlichen Übernahmen und sinngemäßen Paraphrasen fremden Gedankenguts. Wie nicht anders zu erwarten, gibt es hierbei eine ganze Reihe von Konventionen zu beachten.

Beginnen wir mit den wörtlichen Zitaten, die stets in doppelte Anführungszeichen zu setzen sind. Sie können einzelne Wörter und kurze Wendungen, aber auch halbe oder ganze Sätze umfassen, die es dann auf geeignete Weise in den Fließtext zu integrieren gilt. Längere Passagen oder ganze Absätze hingegen sollten schon im Druckbild leicht erkennbar gemacht, also eingerückt und auch im Schriftgrad verkleinert werden.

Sämtliche Hervorhebungen im Original (Unterstreichungen, Sperrungen, Kapitälchen, Kursiv-/Fettdruck) sind zu übernehmen und mit dem Zusatz [Herv. i.O.] zu versehen. Offenkundige Schreib- oder Druckfehler und eventuelle Unstimmigkeiten anderer Art dürfen zwar nicht stillschweigend korrigiert, aber mit einem [sic] oder [sic!] markiert werden. Eigene Hervorhebungen erhalten den Hinweis [Herv. d.V.] oder [Herv. NN]. Notwendige Ergänzungen, auch solche rein grammatikalischer Art, werden mit [xyz], [xyz, d.V.] oder [xyz, NN], Auslassungen mit […] kenntlich gemacht. Und Zitate im Zitat bringt man in einfache (statt doppelte) Anführungszeichen.

Obwohl keine wissenschaftliche Arbeit auf besonders markante, gehaltvolle oder ausdrucksstarke wörtliche Zitate verzichten wird, ist hier doch eine gewisse Zurückhaltung ratsam. Vor allem Aneinanderreihungen längerer Zitate mit eher kurzen Verbindungspassagen sollten unbedingt vermieden werden, denn sie schaden der stilistischen Einheitlichkeit des Textes und sind zudem geeignet, Zweifel an seiner wissenschaftlichen Eigenleistung und Eigenständigkeit zu wecken.

Und damit kommen wir zu den indirekten Zitaten, also Paraphrasen in eigenen Worten, die stilistisch den unbestreitbaren Vorzug haben, sich leichter und geschmeidiger in den eigenen Text einfügen zu lassen. Sie wirken oft auch viel souveräner in der Präsentation, denn paraphrasieren lässt sich nur, was man sich gleichsam verstehend angeeignet hat. Es muss jedoch sorgfältig darauf geachtet werden, den Sinn des Originaltextes nicht zu entstellen oder gar in sein Gegenteil zu verkehren – aber wer es darauf anlegt oder bei der Auswahl geeigneter Passagen eine besonders unglückliche Hand beweist, vermag dies wohl auch mit wörtlichen Zitaten zu erreichen. Allen Verweisen auf paraphrasierte Referenzliteratur wird übrigens ein ›vgl.‹ vorangestellt.

Was nun die Quellenangaben betrifft, ohne die weder direkte noch indirekte Zitate vollständig wären, kann man zwischen zwei Systemen wählen: Bei der deutschen Zitierweise finden sie sich in durchnummerierten Fußnoten zu korrespondierenden hochgestellten Ziffern am Ende der Zitate, bei der amerikanischen Zitierweise (oder Harvard-Methode) hingegen in einer Kurzzitation unmittelbar im Fließtext, die dann wieder auf einen entsprechenden Eintrag im Literaturverzeichnis verweist, das hier obligatorisch ist. Über die Regelungen im Einzelnen informiert die folgende Tabelle (Auszug aus dem Autor*innen-Handbuch):

 
 
Hinweise deutsche und amerikanische Zitation
(Auszug aus dem Autor*innen-Handbuch)

Die Hinweise zur Zitation sollten Sie, falls Sie eine abweichende Konvention verwenden, als Anregung nutzen, sich Ihr Manuskript auch unter diesem Gesichtspunkt noch einmal anzusehen und auf Einheitlichkeit zu prüfen.

 
 
 
 
 
Was unbedingt vermieden werden sollte
Oder: Die vielen Gesichter des Plagiats

Prinzipiell handelt es sich bei jeder wörtlichen Übernahme oder sinngemäßen Paraphrase fremden Gedankenguts ohne entsprechende Kenntlichmachung und Quellenangabe um ein Plagiat. Wird ein anderer Text zur Gänze oder in Teilen als der eigene ausgegeben, so ist die Sachlage vergleichsweise klar. Doch auch ein faktisch indirektes Zitat ohne Referenz auf den Primärtext (sog. ›Verschleierung‹) ist natürlich unzulässig. Für sich betrachtet völlig regelkonforme direkte oder indirekte Einzelzitate werden zu sog. ›Bauernopfern‹, wenn ihnen weitere Übernahmen aus derselben Quelle folgen, die dann aber nicht mehr als solche ausgewiesen sind. Und kein fremdsprachiger Text wird schon dadurch zum ungeschützten und frei verfügbaren Allgemeingut, dass man einfach eine unautorisierte Übersetzung anfertigt. Wer stillschweigend Aufbau und Gliederung anderer Werke übernimmt oder gar deren erkenntnisleitende Grundgedanken für sich reklamiert, begeht ein ›Struktur-‹ oder ›Ideenplagiat‹. Und bei Wieder- und Mehrfachverwendung kleiner oder größerer Versatzstücke aus eigenen Arbeiten muss man unter Umständen damit rechnen, des ›Selbstplagiats‹ bezichtigt zu werden.

Auch für das wissenschaftliche Arbeiten sind Personal Computer und Internet natürlich Segen und Fluch zugleich, denn die sich bietenden Möglichkeiten führen doch in allerlei Versuchung – und vom ›Copy-and-paste‹ zum Plagiat ist es oftmals nur ein kurzer Weg. Aber ganz abgesehen davon, dass moderne Technik nicht nur Betrügerei, sondern auch deren Entdeckung erleichtert, stellt sie zudem immer neue Hilfsmittel zur Verfügung, die uns beim regelkonformen Arbeiten unterstützen. Ein ›Literaturverwaltungsprogramm‹ oder ›Referenzmanager‹ etwa tut da wertvolle Dienste. Informationen hierzu finden sich z.B. unter: https://mediatum.ub.tum.de/doc/1316333/1316333.pdf [15.09.2020].

 

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